ER Modell erweitert
Wie mit Entitätstypen, Beziehungstypen und Attributen ein ER-Modell erstellt wird, wurde an dieser Stelle erklärt. Hier soll der Konzept des ER-Modells erweitert werden.
Erweiterte Beziehungstypen
In der Realität lassen sich Sachverhalte nicht immer nur durch einfache Beziehungen abbilden, sondern erfordern öfters komplexere Strukturen.
Beziehungstypen mit Attributen
Werden zwei Enitätstypen durch einen Beziehungstyp verbunden, entstehen oft ganz neue Informationen.
In dem Beziehungstyp Nutzer — leiht aus — Buch spielt zum Beispiel auch das Datum eine wichtige Rolle. Oder schreibt ein Schüler eine Prüfung in einem Fach, sind auch die erzielte Note und das Prüfungsdatum von Bedeutung. Diese neuen Informationen lassen sich als Attribute den Beziehungstypen zuordnen.

Ternäre (n-äre) Beziehungen
Manche Sachverhalte verknüpfen drei oder mehr Entitäten gleichzeitig. In der Unterrichtsverteilung etwa bilden Lehrer, Fach und Klasse eine Einheit. Eine Aufspaltung in binäre Beziehungen würde hier den spezifischen Kontext (wer unterrichtet was in welcher Klasse?) zerstören.

Rekursive Beziehungen

In einigen Situationen stehen Entitätstypen mit sich selbst in Beziehung. Es handelt sich dann um rekursive Beziehungen. Zum Beispiel ist eine Person ein Kind von einer Person und diese Person ist ebenfalls ein Kind einer Person.
Generalisierung und Spezialisierung (is-a)
In komplexeren Modellen lassen sich Entitätstypen hierarchisch ordnen, um Gemeinsamkeiten effizient abzubilden:
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Generalisierung: Mehrere Entitätstypen (z. B.
SchülerundLehrer) werden zu einem allgemeineren Obertyp (z. B.Person) zusammengefasst. Der Obertyp enthält alle Attribute, die für beide Gruppen identisch sind (z. B.Name,Geburtsdatum). -
Spezialisierung: Ein Obertyp wird in spezialisierte Untertypen aufgeteilt. Diese "erben" alle Eigenschaften des Obertyps, besitzen aber zusätzlich eigene, spezifische Attribute (z. B. zu unterrichtende
Stundenfür Lehrer oder dieKlassefür Schüler).
Diese Struktur wird als "is-a"-Beziehung bezeichnet (ein Lehrer ist eine Person).

In der Modellierung muss dabei unterschieden werden, ob eine Entität zu mehreren Untertypen gleichzeitig gehören darf (disjunkt vs. überlappend) und ob jede Entität des Obertyps zwingend einem Untertyp zugeordnet sein muss (total vs. partiell).
Min-Max-Notation
Da die Chen-Notation für die technische Umsetzung oft zu ungenau sind, nutzt man die Min-Max-Notation im Format (min, max). Sie wird direkt an die Linien des jeweiligen Entitätstyps geschrieben und definiert sowohl die Unter- als auch die Obergrenze der Beteiligung der entsprechenden Entitäten. Der Wert min legt fest, ob eine Teilnahme optional (0) oder obligatorisch (1) ist. Der Wert max bestimmt die Obergrenze, wobei 1 für höchstens eine und N (oder *) für beliebig viele Verknüpfungen steht. Werte dazwischen sind auch erlaubt.
Für die Miniwelt Schülerbibliothek ergibt sich:
- Beziehung „leiht aus“: Ein Nutzer leiht beliebig viele Bücher aus (0, N). Ein Buch wird (zur selben Zeit) genau keinmal oder einmal ausgeliehen (0, 1):
Nutzer—(0,N)— leiht aus —(0,1)—Buch

- Beziehung „verfasst von“: Ein Buch besitzt zwingend einen bis maximal drei Autoren (1, 3). Ein Autor ist für kein oder beliebig viele Werke verantwortlich (0, N).
Buch—(1,3)— verfasst von —(0,N)—Autor

Demo
In der folgenden Demo lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen. Die Min- und Max-Werte können auf jeder Seite einzeln angepasst werden — darunter wird die zugehörige Ausprägung als konkrete Pfeil-Verteilung gezeigt. Ein Hinweis kommentiert, ob die gewählte Notation zum Szenario passt.
min und max anzupassen.(0,N) – (0,1)Training: Banktransaktionen
Analyse eines ER-Diagramms "Buchung und Verwaltung von Banktransaktionen"

Hinweis: Die Min-Max-Notation betrachtet immer die Teilnahme einer einzelnen Instanz an der gesamten Beziehungskombination, z.B.
Währung—(0, N): In einer Währung können beliebig viele oder keine Transaktionen erfolgen.
- Formulierung der Miniwelt
Verfasse einen präzisen Fließtext, der die im ER-Diagramm dargestellte Miniwelt vollständig beschreibt. Übersetze die grafischen Elemente in natürliche Sprache und gehe dabei auf Folgendes ein:- Alle Entitäten und deren beschreibende Eigenschaften.
- Die Konten-Hierarchie (Generalisierung/Spezialisierung).
- Die exakten Geschäftsregeln, die durch die (rekursiven) Beziehungen und Kardinalitäten vorgegeben werden (z. B. "Ein Mitarbeiter arbeitet in...").
- Die genauen Rahmenbedingungen und beteiligten Objekte bei der Ausführung einer Transaktion.
- Realitätsabgleich und Modellkritik
Das vorliegende Modell weist in Bezug auf den realen Bankalltag noch logische Schwachstellen auf. Erkläre das jeweils auftretende Problem und formuliere, wie das ER-Diagramm angepasst werden müssten:- Ein Ehepaar möchte ein gemeinsames Girokonto eröffnen, auf das beide vollen Zugriff haben.
- Ein Bankmitarbeiter führt für dasselbe Konto kurz hintereinander drei verschiedene Überweisungen in derselben Währung aus.
Training: Miniwelt und ER-Modell entwerfen
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Das Lastenheft (Systementwurf) Wählt in Partnerarbeit einen realitätsnahen, informationsreichen Prozess (z. B. Paketlogistik, Krankenhausverwaltung, Streaming-Plattform) und verfasst dazu ein präzises Anforderungsdokument als Fließtext.
- Vorgaben für die Miniwelt: Integriert mindestens 5 Entitätstypen. Baut zwingend mindestens eine (m:n)-Beziehung sowie eine strukturelle Besonderheit (z. B. Generalisierung/is-a, rekursive Beziehung oder ternäre Beziehung) ein.
- Modellierung: Entwickelt auf einem separaten Blatt das finale ER-Diagramm inklusive aller Attribute. Gebt alle Kardinalitäten strikt in der (min,max)-Notation an.
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Der Fremdauftrag (Implementation & Review-Meeting) Tauscht euer Anforderungsdokument (ohne das ER-Diagramm) mit einem anderen Team.
- Implementation: Ihr seid nun die beauftragte Datenbank-Agentur. Modelliert aus dem erhaltenen Text das geforderte ER-Diagramm in (min,max)-Notation. Rückfragen an die Verfasser sind in dieser Phase strengstens untersagt.
- Review-Meeting: Legt beide Diagramme (Original und Nachbau) nebeneinander. Analysiert systematisch alle Abweichungen und haltet schriftlich fest: Entstanden die Unterschiede durch Mehrdeutigkeiten und Lücken im Text oder durch Modellierungsfehler der Agentur?